Zika-Virus


Es ist davon auszugehen, dass das Zika-Virus aufgrund seiner Beschaffenheit und Größe mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich durch die vorhandenen Inaktivierungsverfahren in Plasma-Produkten eliminiert werden kann. Spezielle Untersuchungen hierzu bzw. deren Ergebnisse sind uns noch nicht bekannt. Die Übertragung direkt über Blut oder nicht-viral inaktivierte Blutkomponenten ist in unserer Region eher unwahrscheinlich.

EHC-Statement zum Zika-Virus

Positionspapier der PPTA: Das Zika-Virus und die Therapie mit Plasmaproteinen

In jüngster Zeit haben wissenschaftliche Berichte und die Presse zu einem geschärften Bewusstsein über das Zika-Virus und seine zunehmende Verbreitung auf dem amerikanischen Kontinent geführt. (1)

Der Zusammenhang zwischen dem Auftreten des Virus in Brasilien und der Geburt von Babys mit Mikrozephalie (2) ist äußerst besorgniserregend. Die PPTA ist sich bewusst, dass Personen, die auf Plasmaprotein-Therapien angewiesen sind, sich verständlicherweise Gedanken machen, ob diese Therapien in Bezug auf das Zika-Virus sicher sind.

Das Zika-Virus ist ein Flavivirus und wird in erster Linie durch die Aedes-Mücke übertragen. (3) Berichten zufolge kann es in seltenen Fällen auch zur Übertragung von Mutter auf das Kind, durch Transfusion von infiziertem Blut oder auch durch sexuellen Kontakt kommen. (4) PPTA-Mitgliedsunternehmen haben weitreichende Erfahrung mit ihren Herstellungsprozessen Flaviviren effektiv zu eliminieren, falls diese sich im Plasma befinden würden. Aufgrund dieser Erfahrungen besteht kein Sicherheitsrisiko für Übertragung von Zika-Virus durch Plasmaprotein-Therapien.

Praktisch alle Fälle von Zika-Infektionen, die bislang in Europa und den USA auftraten, wurden außerhalb dieser geographischen Gebiete angeeignet. Während die Fälle von Zika-Infektionen bei Reisenden nach ihrer Rückkehr aus den Risikogebieten möglicherweise ansteigen werden weist die derzeitige Situation darauf hin, dass das Zika-Virus bei Plasmaspendern in Europa und den USA so gut wie nicht vorkommt. Darüber hinaus ist es angesichts der Screening-Verfahren bei Plasmaspendern äußerst unwahrscheinlich, dass eine Person mit Zika-typischen Krankheitssymptomen zur Spende zugelassen wird.
Das Zika-Virus ist von mittlerer Größe (Durchmesser ca. 40 nm). Es hat eine Lipidhülle und ähnelt daher anderen Flaviviren, wie zum Beispiel dem West-Nil-Virus (WNV), dem Dengue- und dem Gelbfieber-Virus sowie dem Japanische-Enzephalitis-Virus. Da es relativ groß ist und eine Lipidhülle besitzt, ist es äußerst anfällig für Prozessverfahren zur Inaktivierung und Entfernung von Viren, die ein Teil der Plasma-Herstellungsprozesse sind, wie beispielsweise das Solvenz-Detergenz-(S/D-)Verfahren, Inkubation bei niedrigem pH-Wert, Behandlung mit Caprylat, Pasteurisierung oder Inaktivierung durch Trockenhitze, Nanofiltration oder Fraktionierung. Die Wirksamkeit dieser Verfahren wurde bereits an anderen Model-Viren mit Lipidhülle nachgewiesen, die dem Zika-Virus relativ ähnlich sind, wie z. B. dem Bovinen Virusdiarrhoe-Virus (BVDV) oder dem Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (FSME-Virus), und vor allem dem WNV, auch ein Flavivirus, das dem Zika-Virus besonders nahe verwandt ist. (5-10) Angesichts dieser Daten ist die PPTA davon überzeugt, dass die bestehenden Herstellungsmethoden auch bei der Eliminierung des Zika-Virus effektiv sind.

Die Empfehlung einiger Behörden und Blutspendeorganisationen gibt vor, potenzielle Spender von Blutkomponenten nach einer Reise in Zika-Virus-Risikogebiete (d. h. Mexiko, Karibik sowie Mittel- und Südamerika) (1, 13) vorübergehend von der Blutspende auszuschließen. (2, 11, 12) Da aber das Virus in den Gebieten, die für die Plasmagewinnung relevant sind – beispielsweise in den USA (1) und Europa (1, 13) – praktisch nicht vorkommt, und auch angesichts der Tatsache, dass die Viren im Blut infizierter Personen in eher geringen Konzentrationen und auch nur in ein einer kurzen Phase der Erkrankung vorkommen (14, 15) und es zudem bewährte und höchst effektive Verfahren zur Inaktivierung und Entfernung von Viren bei der Herstellung von Plasmaprodukten gibt, ist die PPTA der Ansicht, dass ein Ausschluss von Spenden zur Plasmafraktionierung nicht angebracht ist.

Die PPTA (Plasma Protein Therapeutics Association) ist eine Interessenvertretung der Hersteller von Plasmaderivaten: http://www.pptadeutschland.org

Referenzen:

  1. http://www.cdc.gov/zika/geo/index.html 
  2. European Centre For Disease Prevention and Control. Rapid Risk Assessment: Zika virus epidemic in the Americas: association with microcephaly and Guillain–Barré syndrome [Internet]. ECDC; 10 December 2015 http://ecdc.europa.eu/en/publications/Publications/zika-virus-americas-association-with-microcephaly-rapid-risk-assessment.pdf 
  3. European Centre for Disease Prevention and Control. Zika virus infection (factsheet for health professionals) [Internet]. Stockholm: ECDC; 2015 [cited 18 May 2015]. Available online: http://ecdc.europa.eu/en/healthtopics/zika_virus_infection/factsheet-health-professionals/Pages/factsheet_health_professionals.aspx.
  4. http://www.cdc.gov/zika/transmission/ 
  5. Dichtelmüller HO, Biesert L, Fabbrizzi F, Gajardo R, Gröner A, von Hoegen I, Jorquera JI, Kempf C, Kreil TR, Pifat D, Osheroff W, Poelsler G. Robustness of solvent/detergent treatment of plasma derivatives: a data collection from Plasma Protein Therapeutics Association member companies. Transfusion. 2009 Sep;49(9):1931-43
  6. Caballero S, Diez JM, Belda FJ, Otegui M, Herring S, Roth NJ, Lee D, Gajardo R, Jorquera JI. Robustness of nanofiltration for increasing the viral safety margin of biological products. Biologicals. 2014 Mar;42(2):79-85
  7. Remington KM, Trejo SR, Buczynski G, Li H, Osheroff WP, Brown JP, Renfrow H, Reynolds R, Pifat DY. Inactivation of West Nile virus, vaccinia virus and viral surrogates for relevant and emergent viral pathogens in plasma-derived products. Vox Sang. 2004 Jul;87(1):10-8
  8. Kreil TR, Berting A, Kistner O, Kindermann J. West Nile virus and the safety of plasma derivatives: verification of high safety margins, and the validity of predictions based on model virus data. Transfusion. 2003 Aug;43(8):1023-8
  9. Stucki M, Boschetti N, Schäfer W, Hostettler T, Käsermann F, Nowak T, Gröner A, Kempf C. Investigations of prion and virus safety of a new liquid IVIG product. Biologicals, 2008, 36(4):239-47. doi: 10.1016/j.biologicals.2008.01.004. Epub 2008 Mar 12.
  10. Dichtelmüller HO, Biesert L, Fabbrizzi F, Falbo A, Flechsig E, Gröner A, von Hoegen I, Kempf C, Kreil TR, Lee DC, Pölsler G, Roth NJ. Contribution to safety of immunoglobulin and albumin from virus partitioning and inactivation by cold ethanol fractionation: a data collection from Plasma Protein Therapeutics Association member companies. Transfusion. 2011 Jul;51(7):1412-30).
  11. http://www.aabb.org/programs/publications/bulletins/Documents/ab16-03.pdf 
  12. European Centre for Disease Prevention and Control: RAPID RISK ASSESSMENT: Zika virus disease epidemic: potential association with microcephaly and Guillain-Barré syndrome (first update), 21 January 2016; Available online: http://ecdc.europa.eu/en/publications/Publications/rapid-risk-assessment-zika-virus-first-update-jan-2016.pdf 
  13. http://ecdc.europa.eu/en/healthtopics/zika_virus_infection/zika-outbreak/Pages/Zika-countries-with-transmission.aspx 
  14. Lanciotti RS, Kosoy OL, Laven JJ, Velez JO, Lambert AJ, Johnson AJ, Stanfield SM, Duffy MR. Genetic and serologic properties of Zika virus associated with an epidemic, Yap State, Micronesia, 2007. Emerg Infect Dis 2008; 17:1232-1239
  15. Musso D  Nhan T, Robin E, Roche C, Bierlaire D, Zisou K, Shan Yan A, Cao-Lormeau VM and Broult J. Potential for Zika virus transmission through blood transfusion demonstrated during an outbreak in French Polynesia, November 2013 to February 2014. Euro Surveill. 2014;19(14):pii=20761. Available online: http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=20761