Gesucht: Angehörige von HIV-infizierten Hämophilen

für Dokumentarfilm


Hallo an alle,

mein Name ist Julia, und ich bin auf der Suche nach hinterbliebenen Kindern, deren Väter Bluter waren, die mit HIV infiziert wurden und daran verstarben.

Ich studiere visuelle Kommunikation und bereite gerade meine Abschlussarbeit vor, ein Dokumentarfilm, der von diesem Thema handeln soll.

Auch mein Vater war Bluter und wurde während seiner Behandlung mit HIV infiziert. Er verstarb 1992 an den Folgen des Virus. Für mich und meine beiden Schwestern gab es Entschädigungszahlungen, aber danach wurde geschwiegen. Geschwiegen über alles, was passiert war.

Laut der „Stiftung Humanitäre Hilfe für durch HIV-infizierte Personen“ ist es in Deutschland etwa 217 anderen Kindern so ergangen wie uns, wie mir. Ich würde gerne mit anderen hinterbliebenen Kindern in Kontakt kommen und mich darüber austauschen, wie es für sie war, den Vater durch einen Medizinskandal verloren zu haben.

Auch die Entschädigungszahlungen haben für mich eine große Rolle gespielt: Da war einerseits das Gefühl, auf hohem Niveau zu leiden, andererseits auch das Gefühl, dass unser Schweigen mit Blutgeld erkauft wurde. Und da war auch die Scham davor, darüber zu reden.

Aber vielleicht haben es andere ja auch ganz anders wahrgenommen als ich. Um das herauszufinden, würde ich mich gerne mit anderen Hinterbliebenen austauschen, mir ihre Geschichten anhören und die Menschen hinter den Schicksalen kennen lernen.

Weil ich der Meinung bin, dass zu lange über dieses Thema und vor allem die Folgen geschwiegen wurde, soll nun mein Abschlussfilm davon handeln: Da gibt es einerseits das persönliche Schicksal der Opfer und Hinterbliebenen und andererseits einen Medizinskandal, der bisher zu wenig Beachtung fand.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es nicht einfach ist und Mut kostet, sich selbst mit diesem Thema zu konfrontieren oder sich vielleicht sogar mit seiner Geschichte an einem Dokumentarfilm zu beteiligen. Mein Schicksal alleine reicht nicht aus, um die ganze Geschichte zu erzählen. Deshalb hoffe ich hier andere Betroffene zu finden, die bereit sind, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Ich möchte allen, die sich nun vielleicht angesprochen fühlen, meine Diskretion und Sorgfalt zusichern: Ihr entscheidet, was und wie viel Ihr von Euch zeigen wollt.

Das Grundgerüst des Films ist sehr flexibel, ich möchte meine Arbeit individuell an die einzelnen Schicksale und Personen anpassen. Wenn etwa jemand nur reden, aber nicht gezeigt werden möchte (also nur Tonspur), ist auch das möglich.

In erster Linie freue ich mich aber einfach nur über den Kontakt zu anderen Betroffenen, auch wenn diese nicht an dem Filmvorhaben teilnehmen möchten.

Mit dem Reden endet das Schweigen, und das ist für mich zumindest der erste Schritt, mich von der Last der Geschichte zu befreien. Vielleicht geht es anderen ja auch so.

Ich würde mich sehr freuen von Euch zu hören.

Liebe Grüße

Julia
Email: juliaj@posteo.de)