Welthämophilietag am 17. April

Pressemitteilung der DHG


Blut verbindet alle: “Be inspired, get involved in Treatment for All” ist das Motto des Welthämophilietages am 17. April 2011

Deutsche Hämophiliegesellschaft (DHG) besteht auf weitere Entschädigung für Opfer des Blutskandals / Prominente Unterstützung durch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens


Hämophilie nennt sich die Krankheit, die manchem bekannt ist, weil z.B. auch der jüngste Sohn des russischen Zaren oder Mitglieder der britischen Königsfamilie an ihr litten. Unter der „Krankheit der Könige“ leidet aber auch das „gemeine Volk“. Hämophilen (ugs. „Blutern“) fehlt ein Eiweiß im Blut, das für die Gerinnung notwendig ist. Unbehandelt kommt es zu mitunter lebensbedrohlichen Blutungen bei Verletzungen oder zu schweren Schäden am Bewegungsapparat. Bluter sind auf eine lebenslange Gabe des fehlenden Gerinnungsfaktors angewiesen. In Deutschland wird eins von 10.000 Kindern mit Hämophilie geboren. In der Bundesrepublik gibt es ca. 4.000 - 6.000 behandlungsbedürftige Bluter.

Uneingeschränkter Zugang zu Diagnose, Behandlung und Versorgung für alle Bluter weltweit lautet die Forderung der World Federation of Hemophilia (WFH) am Welthämophilietag, mit dem seit 1989 immer am 17. April eines Jahres auf Blutungskrankheiten aufmerksam gemacht werden soll. 80% der Bluterkranken der Welt erhalten keine oder eine völlig unzureichende medizinische Behandlung.

In Deutschland gehe es hingegen darum, „die Sicherung der guten medizinischen Versorgung für die Bluter trotz ständig steigender Gesundheitskosten zu gewährleisten“, so Werner Kalnins, Vorsitzender der DHG. Weiterhin fordert die DHG zum einen die finanzielle Entschädigung für 3.000 noch lebende mit dem Hepatitis C-Virus infizierte Opfer des so genannten Blutskandals. Zum anderen müsse die bestehende finanzielle Absicherung der HIV-infizierten Bluter über den HIV-Hilfefonds sichergestellt bleiben.

Unterstützung erfährt die DHG von Persönlichkeiten wie der ehemaligen Justizministerin Herta Däubler-Gmelin oder dem diesjährigen Träger des Theodor-Heuss-Preises Ernst Ulrich von Weizsäcker. Fraktionsübergreifend wird kein Grund gesehen, HIV- und HCV-Infizierte in Sachen Entschädigung unterschiedlich zu behandeln. So etwa der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Karl Lauterbach oder die Abgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen Tom Koenigs und Harald Terpe, die sich der Forderung "HCV-Entschädigung jetzt!" angeschlossen haben.


Hintergrund:

In den 70er und 80er Jahren wurden ca. 4.500 Bluter in den neuen und alten Bundesländern durch verunreinigte Gerinnungspräparate mit HIV und/oder Hepatitis C-Viren infiziert. Seit Ende der 70er Jahre hatte die Möglichkeit bestanden, Gerinnungsfaktorenpräparate mit Wärme oder dem Zusatz von chemischen Verbindungen zu behandeln, um noch vorhandene Viren abzutöten. Diese Sicherheitsmaßnahmen wurden bis Mitte der 80er Jahre sträflich und wider besseren Wissens von Seiten der Pharmazeutischen Industrie und des damaligen Bundesgesundheitsamtes massiv vernachlässigt – und der Blutskandal nahm seinen traurigen Lauf.


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