In memoriam

Stefan Müller


Am 12. Dezember 2010 ist Stefan Müller im Alter von 66 Jahren an den Spätfolgen der HIV- und HCV-Infektion durch kontaminierte Blutprodukte gestorben.
Mit Stefan Müller verliert die Deutsche Hämophiliegesellschaft einen ihrer früheren Funktionsträger, der sich über viele Jahre im Vertrauensrat und im Vorstand große Verdienste erworben hat. Zunächst engagierte er sich als stellvertretendes Vertrauensmitglied der DHG-Region Rheinland-Pfalz/Saarland und von 1992 bis 2007 im Vorstand der DHG, davon zwölf Jahre als Schatzmeister.
In der schwierigen Phase der Aufarbeitung des Blut-Aids-Skandals scheute er sich nicht, als von der Infektion Betroffener an die Öffentlichkeit zu treten und die Bemühungen der DHG um Entschädigung tatkräftig zu unterstützen. Er beteiligte sich sowohl an den Demonstrationen, die die DHG veranstaltete, als auch an Radio- und Fernsehauftritten.Im Rahmen der psychosozialen Betreuung und der von den damaligen Psychologen der DHG organisierten Veranstaltungen war es ihm wichtig, sich mit Gleichbetroffenen zu treffen und Erfahrungen auszutauschen.
Als Hämophiler der älteren Generation gehörte er zu den wenigen Glücklichen, die in ihrer Jugendzeit mit nur wenigen Gelenkblutungen zu kämpfen hatten. Erst nach einem Verkehrsunfall traten bei ihm Bewegungseinschränkungen auf. Verunreinigte Gerinnungspräparate, die zwar Erleichterung schafften, führten bei Stefan direkt zu einer schweren Hepatitis und später zur HIV-Infektion. Die Hoffnungen, die wir alle in seine Lebertransplantation und eine daraus resultierende verbesserte Lebensqualität gesetzt hatten, erfüllten sich nicht. Herz- und Gefäßprobleme nahmen überhand.
Seine positive Lebenseinstellung und sein ihm eigener, „knorriger“ Humor haben ihm vielleicht dabei geholfen, nicht zu resignieren und das schwere Schicksal eines HIV-infizierten Hämophilen zu tragen.
In unserer gemeinsamen Arbeit haben wir Stefan Müller als liebenswürdigen Menschen und engagierten, treuen Mitstreiter erlebt. Wir danken ihm für seinen großen Einsatz für die DHG und trauern mit seinen Angehörigen.

Werner Kalnins, Ute Braun