Leserbrief zum Spiegel 32/2009 vom 03.08.2009

„Tod auf Rezept“


18.08.09

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch beim Spiegel gibt es also ein Thema für das „Sommerloch“. Gut recherchiert, sachlich richtig. Aber es fehlt mir eine Verbindung zur aktuellen Situation. Und so wurden drei Themen zum Jahr 2009 – also 26 Jahre nach dem Skandal – erfolgreich ausgeblendet.

1.    Auch heute noch können HIV-positive und an AIDS erkrankte Menschen nicht offen mit ihrer Erkrankung leben. Immer noch gibt ein Schubladen-Denken, bei Ärzten, Arbeitgebern, Nachbarn gleichermaßen. Woher hast du dir das geholt? Homosexualität, Drogengebrauch, Prostitution – du hast selber schuld. Bei keiner anderen Erkrankung wird so sehr nach Schuld gefragt, nicht mal bei Sport – oder Verkehrsunfällen. Immer noch ist die Angst vor dem Outing immens- bei so gut wie allen PatientInnen, auch bei Prominenten z. B. die No Angels-Sängerin.

2.    Die zukünftige Entschädigung aus der Stiftung Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen ist immer noch nicht geregelt. Die Betroffenen müssen immer noch hoffen, dass eine Entschädigung auch nach dem Jahr 2011 gesichert wird.

3.    Über Blutprodukte wurden Hämophile nicht nur mit HIV sondern auch mit HCV infiziert. Verhandlungen für Entschädigungen laufen immer noch ! Ein Ende ist nicht so recht in Sicht. Der größte Teil der Betroffenen ist zwischenzeitlich gestorben und es drängt sich der Verdacht auf, dass Politik und Pharmaindustrie darauf setzen, dass sich der Kreis der zu Entschädigenden sozusagen von allein reduziert. Dies ist der eigentliche Skandal!

Insgesamt also drei Chancen für aktuelle Themen, deren Grundlage Ihr Artikel hätte sein können – leider vertan!
Schade, liebe Spiegel-Redaktion.

Mit freundlichen Grüßen
Dörte Nittka