Leserbrief

zum Thema: AIDS


No Angels und kein Ende in Sicht

Nun ist es ja schon eine Weile her, dass die Sängerin zwangs–geoutet wurde und die Presse ausführlich berichtet hat. Inzwischen ist das Thema nicht mehr aktuell, in der Zeitung ist nichts mehr zu lesen, Beckmann, Jauch und Co. Haben neue Gesprächspartner und andere Themen. Aber mich lässt der Fall innerlich nicht los. Wie kann ich mich heutzutage – über zwanzig Jahre nach Beginn der ersten Erkrankungen  - in der Gesellschaft outen? Wie kann ich persönlich dafür sorgen, dass HIV ein Gesicht bekommt, ohne dass ich persönlich deswegen kriminalisiert und / oder diskriminiert werde? Liegt es nur am Selbstbewusstsein ? Mein  Kopf ist voller Theorien über passende Antworten auf „Dumme“ Fragen, aber meine Angst davor, diese Antworten im richtigen Moment nicht parat zu haben, ist riesig. Daher bleibe ich stumm, auch als Kollegen und Freunde über Nadja B. diskutierten. Fürchterlich.

Das einzig Gute an der ganzen Diskussion in den Medien war, dass die Presse begann, darüber nachzudenken, was denn wohl ein Staatsanwalt nach außen geben darf, was die Presse dann wohl auch weitergeben darf, ob ein positiver Mensch denn wohl wirklich eine „Biowaffe“ wäre, ob denn wohl die Kondombenutzung nur vom Positiven gewünscht werden muss und dass Sex ja nun mal wenigstens ZWEI verantwortungsvolle Kondombenutzer braucht und so weiter und so fort...

Zumindestens ist klar geworden, dass Aids und HIV einem Menschen nicht mehr angesehen werden ...

Mir zum Glück auch nicht.

Noch nicht.

Anonym.