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WFH-Kongressbericht

WFH 2008, CSL Behring Symposium


1. Bild: Dr. Stefan Schulte, Marburg

2. Bild: Prof. Armin Reininger, München

Im Rahmen des diesjährigen WFH in Istanbul führte CSL Behring ein Symposium zu „Gerinnungsfaktoren – molekulare Attribute und ihre klinische Bedeutung“ durch. Unter dem Vorsitz von D. Lillicrap (Kingston, Kanada) und P.W. Kamphuisen (Amsterdam, Holland) wurden drei Vorträge gehalten. Als erstes gab D. Lillicrap einen Übersichtsvortrag über die Verlängerung der Halbwertszeit von Gerinnungsfaktoren und beleuchtete den aktuellen Stand.

Der nächste Vortragende war S. Schulte, Leiter Forschung & Entwicklung CSL Behring, Marburg. Er stellte einen neuen Ansatz zur Verlängerung der Halbwertszeit von Gerinnungsfaktoren vor, ein rekombinantes Albumin-Fusionsprotein. Diese innovative Strategie basiert auf der Bildung von Fusionsproteinen mit langlebigen Trägerproteinen wie z. B. Albumin. Albumin ist mengenmäßig das häufigste Plasmaprotein und hat eine Halbwertszeit von ca. 20 Tagen. Physiologisch ist Albumin das Träger- und Transportprotein.

An dieses rekombinante Albumin wird rekombinanter Faktor VIIa gekoppelt. Für Hämophiliepatienten mit Hemmkörpern gegen Faktor VIII ist aktivierter FVIIa eine Therapieoption zur Kontrolle von Blutungsepisoden. Die kurze Halbwertszeit des FVIIa von ca. 2,5 Stunden macht in Blutungssituationen häufig eine wiederholte Gabe erforderlich. Das von CSL Behring neu entwickelte rVIIa-Albuminfusionsprotein zeigte in Tierexperimenten im Vergleich zu nicht albuminfusionierten rFVIIa eine 6 – bis 9-fache Verlängerung der Halbwertszeit und eine etwa 2-fach höhere Recovery. Diese Technik stellt einen vielversprechenden Ansatz für die Herstellung von Gerinnungsfaktoren mit einer verlängerten Halbwertszeit dar.

Der letzte Vortrag beschäftigte sich mit dem von-Willebrand-Faktor und dessen Bedeutung für die Thrombus-Bildung. A. J. Reininger (München, Deutschland) stellte eindrucksvoll die Bedeutung des von-Willebrand-Faktor für die Blutgerinnung unter physiologischen Bedingungen dar. Vom Herzschlag angetrieben unterscheiden sich die Fließgeschwindigkeiten des Blutes nicht nur in den einzelnen Gefäßabschnitten, sondern auch innerhalb ein und desselben Gefäßes: Die Fließgeschwindigkeit steigt von der Gefäßwand zur Gefäßmitte hin an. Das für die Gerinnung wichtige Zusammenbringen der Reaktionspartner Thrombozyten und Gefäßwand unter Strömungsbedingungen wurde von ihm im Labor simuliert. Hier zeigt sich die wichtige Rolle des von-Willebrand-Faktors (vWF), der einerseits an das freiliegende Kollagen der Gefäßwand und andererseits an die Thrombozyten bindet. Die Besonderheit dabei ist, dass der im Plasma in globulärer Form vorliegende vWF erst durch die Strömung langgestreckt werden muss, um seine Bindungsstellen optimal den Thrombozyten zu präsentieren. Die hochmolekularen Multimere sind hämostatisch am aktivsten. Sie sind unmittelbar an der Verletzungsstelle konzentriert und spielen eine wichtige Rolle sowohl bei der Initiierung und Beschleunigung der nachfolgenden Gerinnung als auch beim weiteren Thrombuswachstum.

Dr. Claudia Zacharias
(CSL Behring)