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mögliche Komplikationen

Die Hämophilie wird seit vielen Jahren erfolgreich therapiert. Natürlich gibt es auch hier eine ständige Weiterentwicklung. Aber es treten auch immer wieder Komplikationen bei der Therapie mit Faktoren auf. Eine solche Komplikation ist z. B. das Auftreten von Hemmkörpern gegen Faktor VIII. Es gibt zwar auch Hemmkörper gegen Faktor IX, diese treten aber wesentlich seltener auf.

Hemmkörper gegen Faktor VIII

Wenn ein Patient Hemmkörper gegen Faktor VIII entwickelt, wird dadurch der verabreichte Faktor VIII (das Faktorkonzentrat) inaktiviert bzw. unwirksam gemacht. Die Faktor VIII-Aktivität im Blut eines solchen Patienten steigt nach Faktor VIII-Gabe nicht in dem erwarteten Maße an.

Man unterscheidet Low-Responder und High-Responder. Die Hemmkörper gegen Faktor VIII werden in Bethesda-Einheiten (BE) gemessen. Je höher der BE-Wert ist, umso mehr Hemmkörper liegen im Blut des Patienten vor. Bei Low-Respondern liegen nicht so viele Hemmkörper vor wie bei High-Respondern (> 5 BE). Daher unterscheidet sich auch die Behandlung der akuten Blutung bei Low- und bei High-Respondern. Bei Low-Respondern besteht die Möglichkeit, die Hemmkörper durch eine erhöhte Gabe von Faktor VIII zu überspielen. Bei High-Respondern muss auf andere Medikamente zurück gegriffen werden.

Low-Responder

  • Faktor VIII hochdosiert bis zum Erreichen hämostatisch wirksamer Faktor-VIII-Spiegel
  • Rekombinanter aktivierter Faktor VII (rFVIIa) Initialdosis 90?g /kg KG. Wiederholung alle 2-4 Stunden.
  • Aktiviertes Prothrombinkomplexkonzentrat, Initialdosis: bis 100 E/kg KG, Erhaltungsdosis bis 100 E/kg KG zweimal pro Tag

High-Responder

  • Rekombinanter aktivierter Faktor VII (rFVIIa) Initialdosis 90?g /kg KG. Wiederholung alle 2-4 Stunden.
  • Aktiviertes Prothrombinkomplexkonzentrat, Initialdosis bis 100 E/kg KG und Erhaltungsdosis bis zweimal 100 E/kg KG pro Tag
  • Bei fehlender Wirksamkeit und Überprüfung der cross reactivity porcines Faktor VIII-Konzentrat 50 – 100 E/kg KG zweimal täglich
  • Bei Notfällen oder Versagen ggf. Plasmapherese oder Immunadsorptionspherese

Hemmkörperelimination durch Erzeugung einer Immuntoleranz

Um einen Hemmkörper dauerhaft zu eliminieren, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten (Eliminationstherapie, Immuntoleranztherapie (ITT)):

Kinder

  • Low-Responder: Auch ohne klinische Symptomatik, Dosis: 50 – 100 IE/kg KG Faktor-VIII-Konzentrat dreimal/Woche bis normale Recovery und Halbwertszeit.
  • Hemmkörperkontrolle ein- bis zweimal wöchentlich erforderlich, danach Dauerbehandlung.
  • High-Responder: Faktor-VIII-Konzentrat, Dosis: 100 – 200 IE/kg KG zweimal pro Tag bis zur mehrmonatigen Normalisierung der Recovery und Halbwertszeit, danach angepasste Dauerbehandlung.
  • Eventuell bei verstärkter Blutungsneigung zusätzliche Gabe von rekombinantem aktiviertem Faktor VII (rFVIIa) Initialdosis 90?g /kg KG ein- bis zweimal pro Tag (rFVIIa ist nicht zur Prophylaxe zugelassen)
  • Die Gabe von aktiviertem Prothrombinkomplexkonzentrat in einer Dosierung von 50 IE/kg KG ein- bis zweimal pro Tag während der Hemmkörperelimination zur Reduktion der Blutungsneigung ist möglich.
  • Bei Versagen der Eliminationstherapie Abbruch in der Regel nach ein bis zwei Jahren.

Erwachsene

  • Low-Responder: Keine Eliminationstherapie, bei Dauerbehandlung 50 E/kg KG dreimal/Woche
  • High-Responder: Faktor-VIII-Konzentrat 100 bis 150 E/kg KG zweimal/Tag bis zur mehrmonatigen Normalisierung der Recovery und Halbwertszeit, danach angepasste Dauerbehandlung.
  • Rekombinanter aktivierter Faktor VII (rFVIIa) Initialdosis 90?g /kg KG ein- bis zweimal pro Tag (rFVIIa ist nicht zur Prophylaxe zugelassen)
  • Die Gabe von aktiviertem Prothrombinkomplexkonzentrat in einer Dosierung von 50 IE/kg KG ein- bis zweimal/Tag während der Hemmkörperelimination zur Reduktion der Blutungsneigung ist möglich.
  • Bei Versagen der Elimination Abbruch in der Regel nach einem Jahr.

Infektionen

Bis zur Einführung von pasteurisierten Faktor-Konzentraten ist es zu Übertragungen von Hepatitis A, B, C und HIV gekommen. Die heute sich auf dem Markt befindlichen Faktorenkonzentrate werden nach dem neuesten Stand der Sicherheit und Technik hergestellt, so dass eine Übertragung von Hepatitis A, B, C und HIV als nahezu ausgeschlossen gilt.

Quelle: www.haemophilieportal.de

Bearbeitet von PD Dr. Karin Kurnik und Dr. Günter K.-H. Auerswald

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