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Sport und Hämophilie

Durch die verbesserte Versorgung mit Gerinnungsfaktoren steht Hämophilen mittlerweile die Teilnahme an zahlreichen Sportarten offen. In der Hämophiliebehandlung wird sportliche Betätigung weitestgehend empfohlen, da die positiven Auswirkungen auf Physis und Psyche unbestritten sind:

  • Eine gut geschulte Koordination beugt Unfällen vor.
  • Trainierte Muskulatur stützt und schützt die Gelenke.
  • Mit einem trainierten Herz-/Kreislaufsystem steigt die Alltagsbelastbarkeit.
  • Regelmäßige sportliche Betätigung beugt Übergewicht, Herz-/Kreislauferkrankungen, Diabetes, Krebs und anderen Erkrankungen vor.
  • Beweglichkeit wird erhalten und gefördert.
  • Sport steigert das psychische Wohlbefinden – nicht zuletzt durch die soziale Integration in Gruppen und Vereinen.

Verschiedene Sportangebote speziell für Hämophile finden regelmäßig an unterschiedlichen Orten in Deutschland statt, zum Beispiel von der Universität Wuppertal organisierte Sportcamps („HIM: Haemophilia in Motion“, www.haemophilia-exercise.de) oder so genannte „Watercise“-Veranstaltungen (siehe unter Termine). Weitere Informationen hierzu erhalten Sie in der Geschäftsstelle der DHG.

Bei jungen Hämophilen bzw. Eltern von hämophilen Kindern besteht sehr oft die Frage, welche Sportarten geeignet sind. Man kann die Sportarten grob in drei Gruppen einteilen:

  1. Sportarten mit hohem Risiko:
    Diese Sportarten sollten von einem Hämophilen nicht ausgeführt werden. Als Beispiel kann Eishockey dienen.
  2. Sportarten mit moderatem Risiko:
    Diese Sportarten weisen zwar ein Verletzungsrisiko auf, welches aber durch Vorsichtsmaßnahmen minimiert werden kann. Als Beispiel könnte hier Inline-Skating dienen. Die Grundbewegung mit fast keiner stoßenden Einwirkung auf die Beine ist als positiv zu bewerten. Das Verletzungsrisiko durch einen Sturz kann durch Protektoren und einem Helm minimiert werden.
  3. Sportarten, die empfehlenswert sind:
    Als empfehlenswerte Sportart kann man zum Beispiel Schwimmen nennen.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Leitfäden für die Auswahl geeigneter Sportarten. So werden zum Beispiel von der National Hemophilia Foundation Sportarten in fünf Stufen kategorisiert. Hier werden nicht nur die Risiken der Sportarten genannt, sondern diese auch in Relation zu ihrem gesundheitlichen Nutzen gestellt. Einen Überblick über für Hämophile geeignete oder weniger geeignete Sportarten bietet auch das Buch „Fit durch Bewegung“, das in der Geschäftsstelle der DHG gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro bestellt werden kann.

Bei der Auswahl einer Sportart sollten natürlich immer Fähigkeiten und Interessen der einzelnen Person im Vordergrund stehen. Generell gilt: Wählt man eine Sportart aus, sollte man die aktuelle Leistungsfähigkeit auf Defizite überprüfen – dasselbe macht jeder Leistungssportler in der Saisonvorbereitung. Hierbei hilft jeder gut ausgebildete Trainer.

Letztlich gibt es keine Sportart, die völlig frei von Risiken ist. Durch einen bewussten Umgang mit den bekannten Risiken können diese aber minimiert werden. Ob eine Sportart das Risiko wert ist, muss jeder für sich entscheiden. Behandelnde Ärzte können aber meist gute Unterstützung bei der Entscheidung bieten, da sie die individuelle Situation in der Regel gut beurteilen können.

Sport und Bewegung haben drei wichtige Ziele:

  • Erhaltung und Förderung der körperlichen Leistungsfähigkeit
  • Spaß
  • Integration in das normale soziale Umfeld

Sport und Bewegung sollte man als einen Teil der Lebensqualität und als Mittel zur Integration in das soziale Umfeld ansehen!