Druckversion

Stand der HCV-Behandlung

Mehr als 80% der Hämophilen, welche noch nicht-virusinaktivierte Präparate erhalten haben, sind mit Hepatitis C infiziert. Die Hepatitis C ist eine Erkrankung, welche in der gesamten Welt vorkommt und besonders häufig in Ägypten auftritt. In Europa ist vor allem der Genotyp 1 vertreten, in Norwegen, Finnland und Ungarn der Genotyp 3. Bei etwa 25% der Patienten, die sich eine Hepatitis C zuziehen, heilt diese aus beziehungsweise verläuft völlig problemlos. Bei 25% der Patienten ist nach 20 Jahren eine Leberzirrhose eingetreten.

Die Hepatitis C hat Auswirkungen auf nahezu sämtliche Organe des Körpers, zum Beispiel sind auch Herzkrankheiten und Schlaganfälle bei Patienten, welche mit Hepatitis C infiziert sind, deutlich häufiger als in der Gruppe der nicht infizierten.

Bis 2011 standen lediglich PEG-Interferon und Ribavirin als Therapieoption zur Verfügung. Ab Ende 2011 gab es die ersten Protease-Inhibitoren (Telaprevir und Boceprevir). Mit diesen Medikamenten verbesserte sich die Heilungsrate deutlich, jedoch gab es immer noch viele Therapieversager in der Gruppe der  Hämophilen. 

Zwischenzeitlich gibt es, neben den alten und neueren Protease-Inhibitoren, weitere höchst potente Mittel, welche entweder zur Gruppe der NS5A-Inhibitoren gehören, wie zum Beispiel Daclatasvir und Ledipasvir, oder zur Gruppe der NS5B-Polymerase-Inhibitoren, wie  zum Beispiel Sofosbuvir. 

Sofosbuvir ist seit Anfang 2014 auf dem Markt. Seit Mitte des Jahres ist es vom Gemeinsamen Bundesausschuss zugelassen und wird somit von den Krankenkassen ersetzt. Bei der isolierten zwölfwöchigen Anwendung von Sofosbuvir mit Ribavirin und PEG-Interferon lag der Erfolg bei Patienten mit dem Genotyp 1a bei 92%, beim Genotyp 1b bei 82%  und beim Genotyp 4 sogar bei 96%. Deutlich schlechter lag die Erfolgsrate bei Patienten, die eine Zirrhose entwickelt hatten. Hier betrug die Erfolgsrate lediglich 80%. Gegenüber der vorherigen Therapie stellte dies jedoch eine deutliche Verbesserung der Erfolgsaussicht dar.

Patienten, welche bereits vorbehandelt waren, wiesen jeweils einen geringfügig schlechteren Therapieerfolg auf. 

Zurzeit werden folgende Therapieoptionen angeboten:

  • Sofosbuvir + PEG-Interferon / Ribavirin, Behandlung: 12 Wochen
  • Simeprevir + PEG-Interferon / Ribavirin, Behandlung: 12 Wochen + RGT 12 bis 48 Wochen
  • Daclatasvir + PEG-Interferon / Ribavirin, Behandlung: 12 Wochen + RGT 12 bis 24 Wochen

Als Interferon-freie Therapien werden derzeit angeboten:

  • Sofosbuvir + Ribavirin, Behandlung: 12 bis 24 Wochen
  • Sofosbuvir + Simeprevir (mit oder ohne Ribavirin), Behandlung: 12 Wochen
  • Sofosbuvir + Daclatasvir (mit oder ohne Ribavirin), Behandlung: 12 bis 24 Wochen
  • Sofosbuvir + Ledipasvir (mit oder ohne Ribavirin), Behandlung: 12 bis 24 Wochen

Bei Gabe von Daclatasvir mit Sofosbuvir, mit oder ohne Ribavirin, liegt die Erfolgsaussicht, je nach Genotyp und Ausprägung der Leberschädigung, zwischen 80 bis 100% bei nur zwölfwöchiger Therapie. 

Sollte nach vierwöchiger Therapie immer noch ein Virusnachweis sowie eine starke Leberschädigung bestehen, ist eine Verlängerung der Therapie auf 24 Wochen zu diskutieren. 

Die bisherigen Studien können nicht nachweisen, dass bei Verwendung von zwei hochpotent wirksamen Virustatika wie Sofosbuvir und Ledipasvir beziehungsweise Sofosbuvir und Daclatasvir sich der Therapieerfolg verbessert, wenn zusätzlich Ribavirin verabreicht wird. Eine Ausnahme besteht möglicherweise bei Patienten mit bereits ausgeprägter Leberzirrhose.

Als ausgesprochen positiv zu erwähnen ist, dass die genannten Medikamente auch in der Gruppe der HIV-Infizierten problemlos angewendet werden können, jedoch müssen zwingend mögliche unerwünschte Interaktionen zwischen der HIV- und der geplanten HCV-Medikation beachtet werden. 

Bei Patienten mit Lebertransplantation gilt, dass die Interaktionen mit den Immunsuppressiva beherrscht werden können. 

Der Therapieerfolg bei Patienten mit Genotyp 3 und bestehender Leberzirrhose ist leider immer noch unbefriedigend.

Leider sind die Anforderungen der Kostenträger zur Kostenübernahme für eine optimale Therapie mit zwei Substanzklassen noch sehr restriktiv.

Werner Kalnins