Humanitäre Hilfe - Seite 29

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow Di 1. Nov 2016, 09:45

Ich denke, solange das HIVHG nicht grundlegend geändert wird, wird die Finanzierung immer auf wackeligen Beinen stehen. Es ist eine Farce hier immer wieder die Freiwilligkeit und das humanitäre und soziale Engagement zu betonen, im Angesicht von über 1000 Toten und so vielen Geschädigten.

Deshalb wäre es wichtig die Leistungen auf eine rechtliche Grundlage zu stellen d.h. dass ein Anwalt nochmals die Rechtslage überprüft, ob es Optionen gibt die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Es gibt hier eindeutig Schuldige, die in der Pflicht stehen, die Geschädigten ausreichend zu versorgen.

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow Di 1. Nov 2016, 16:26

Juristisch war die Sache doch schon vor 30 Jahren gelaufen: Die Pharmakonzerne und die Politik haben sich damals mit Geld ihre Schuldfreiheit erkauft. Jeder, der das Geld genommen und diesen Knebelvertrag unterzeichnet hat, hat damit auch sein Recht auf den Klageweg veräußert und mir ist kein Fall bekannt, bei dem nicht auf diesen 'Ablasshandel' eingegangen wurde und somit noch die Möglichkeit zur Klage bestünde. Natürlich kann man heute sagen, das sich die Betroffenen damals in einer akuten psychischen Zwangslage befanden (Bei der unmittelbaren Konfrontation mit dem baldigen Tod ist ja bekanntlich jeder Strohhalm recht.) und das damalige Vorgehen der Verursacher deshalb an 'Nötigung' grenzt. Nur erkläre das heute mal einem Richter, der in dieser juristischen Grauzone ausloten soll, ob es wirklich Nötigung war und nicht einfach nur das Ausnutzen eines geschäftlichen Vorteils - wogegen es schließlich kein Gesetz gibt. Und vor allem erkläre dem Richter mal, warum erst jetzt gegen den Vertrag bzw. sein Zustandekommen geklagt wird und nicht schon z. B. vor 20 Jahren, als sich zeigte, dass die medizinischen Grundannahmen für diesen Vertrag falsch waren? So ein Verfahren dürfte sich über mehrere Jahre durch alle Distanzen hinziehen und wer von uns hat dafür schon die Mittel und die Zeit? D. h. obwohl der tatsächliche Straftatbestand der mehrfachen, schweren Körperverletzung teilweise mit Todesfolge besteht, werden die Verursacher wohl für immer straf frei ausgehen.
Unterm Strich heißt das: 'Schweinchen Schlau' hat uns juristisch ganz schön durchgef%#&t! War eigentlich auch nicht anders zu erwarten - ich will nicht wissen, wie viel Geld, Personal und Ressourcen da hinter den Kulissen der Konzerne und Behörden eingesetzt wurden und bis heute werden, um genau dieses Ergebnis zu erzielen. Wenn wir das Spiel auf deren Art zu spielen und zu gewinnen versuchen, werden wir wahrscheinlich verlieren. Wenn also keine juristischen Angriffspunkte mehr bestehen, gibt es aber noch immer die moralischen. Heißt, wir sollten Schweinchen Schlau anstatt einer Klage genau das geben, was es am meisten liebt: Eine ordentliche Schlammschlacht! Ach was - eine so außerordentliche 'Suhle', das es daran zugrunde gehen wird oder zumindest die Lust verliert, sich mit uns anzulegen! - Wie wäre es z. B. damit? Wir suchen den Schulterschluss mit den Krankenkassen, weil diese bzw. ihre Mitglieder für die medizinischen Folgekosten unserer Infektionen zu zahlen haben, was bei jedem von uns in die Millionen gehen dürfte! Die bisherige Petitionen brachten kaum Unterschriften, weil die Menschen wahrscheinlich begriffen, dass sie letztendlich dafür über den Staat zu zahlen hätten. Bei einer Bundespetition, die die Pharmakonzerne zur Übernahme der Folgekosten für die HIV- und HCV-Infektionen zwingen soll und damit zur Entlastung der Allgemeinheit beiträgt, dürfte das Interesse des Volkes anders gelagert sein. Die Pharmakonzerne denken, dass sie sich ihrer Schuld gänzlich sozialisieren könnten - wir sollten dafür sorgen, dass sie stattdessen so wie wir weiterhin bluten müssen!
In dieser Angelegenheit ist das letzte Wort noch längst nicht gesprochen, egal ob wir jetzt den Weg von Herrn Schmidbauer wählen und versuchen, das noch vor der Wahl durchzuboxen oder ob wir auf Rot-Rot-Grün warten. Trotzdem sollten wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen - in dem Sinne: Engagiert Euch!

Robert

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow Mi 2. Nov 2016, 11:21

Ich bin der Meinung das wir ein Ergebnis vor der Bundestagswahl erreichen müssen den auf Rot-Rot-Grün zu warten ist genauso als würden wir auf den Weihnachtsmann warten. Nach der Wahl kann sich eh keiner mehr an seine Versprechen erinnern das ist doch schon die ganzen Jahre so.Warum gab es dieses Jahr eine so große Rentenerhöhung? Doch nur um bei den Wählern gut dazustehen. Nach der Wahl hätte es diese bestimmt nicht gegeben.

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow Mi 2. Nov 2016, 11:27

Ich habe noch eine Anmerkung zu machen, unsere DHG macht es doch schon genauso wie unsere Politiker vor der Wahl mal eben schnell einen Brief an den Gesundheitsminister schreiben.

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow Sa 5. Nov 2016, 19:50

Hallo Robert und die Anderen!

Ja das ist gar keine Frage, dass das Thema vor der Bundestagswahl zum Laufen gebracht werden muss.
Robert, Du hast sicher recht, juristisch gibt es da, wenn überhaupt, nur noch kleine Schlupflöcher. Aber es wäre sicher sinnvoll, das prüfen zu lassen. Dazu benötigen wir Geld für einen Anwalt!

Der erste Vergleich, Ende der Achziger, kam nur zu Stande, weil wir uns haben erpressen lassen müssen. Ja müssen!

Um heute nicht schnell darüber zu urteilen, gebe ich zu bedenken: Das war damals eine Situation, in der wir davon ausgingen, dass wir noch max. 5-10 Jahre zu leben hatten. Und es stand die Drohung im Raum, wenn ein einziger geklagt hätte, dann wäre der ganze Vergleich geplatzt. Und zu bedenken ist auch, dass vorab die "Beweislastumkehr" vom Gericht abgelehnt wurde. Damals mussten wir kapitulieren, weil so mancher auf das Geld angewiesen war.

Und dazu kam noch die Drohung der Pharma-Anwälte, wenn jemand klagen würde, dann würden sie alles tun (und viel Geld in die Hand nehmen) um den Prozess durch Formalien so lange hinauszuzögern, bis die Zeit das ihre getan hat und keiner mehr lebt.

Nennt es Erpressung, Nötigung oder Schweinerei oder was auch immer. Es ging darum, auf keinen Fall einen Präzedenzfall entstehen zu lassen, in dem es ein Schuldeingeständniss gegeben hätte. Das wäre viel zu teuer geworden. Und ich denke, nur darum ist es gegangen und darum geht es bis heute! Die verdienen mit uns über Jahrzente in aller Ruhe Zig-Millionen und das geht am besten, wenn keiner fragt, wer sich da mal etwas zuschulden kommen hat lassen.

Ich denke, dass der momentan richtige Weg der ist, über Presse, TV und Politik mehr und mehr Druck aufzubauen. Das passiert, wenn wir weiter in den Medien präsent sind. Das kann eine Wirkung wie eine Lawine haben. Es kommt nach und nach immer mehr ins Rollen. Irgendwann sollte es so sein, dass wenn jemand das Wort "Bluter" hört, sofort der Gedanke kommt, dass es da einen Skandal gab und die Betroffenen noch auf eine angemessene Entschädigung warten.
Ein stilles Fortsetzen der Stiftung mit immer weniger Geld (oder keines mehr) von der Pharmaindustrie darf für uns kein akzeptables Ziel sein. Wir wollen, dass die Zahlungen als Entschädigungs-RENTE lebenslang gezahlt werden und wir wollen einen angemessenen INFLATIONSAUSGLEICH und dass endlich eine Regelung bezüglich des Leides und der Schäden, die wir aufgrund der HCV-Infektionen ertragen und ertragen mussten, herbeigeführt wird. Im letzten Jahr sind angeblich 30-40 Bluter an Leberschäden und Krebs verstorben!

Wir haben ein Recht darauf, dass wir trotz oder gerade wegen der gesundheitlichen Einschränkungen ein befriedigendes, glückliches Leben führen können, und das wirklich wenigste ist hierfür ein gesichertes finanzielles Auskommen.

Es ist dabei auch von großer Wichtigkeit, dass die, die nicht überlebt haben, in Erinnerung bleiben und auch das unermessliche Leid, welches sie und ihre Familien und Angehörigen haben ertagen müssen, nicht in Vergessenheit gerät!

Keiner von uns sollte sich um einen Fortbestand der Stiftung existenzeille Sorgen machen müssen. Alleine diese Tatsache ist untragbar, weil sie so völlig überflüssig und vermeidbar ist! Es ist immer wieder wichtig klar ausszusprechen, was uns damit von der Pharmaindustrie und der Politik zugemutet wird!

Es geht um 8,5 Millionen Euro pro Jahr.

Tendenz abnehmend enstprechend der Sterberate. Das ist so lächerlich, wenn man sich klarmacht, für was unsere Politiker gerade die üppig sprudelnden Steuer-Einahmen rauswerfen. Das tut weh! Ja richtig weh!
Und es ist an der Zeit, dass wir dem Schmerz und der Wut wirksamen Ausdruck verleihen.
Das Bild einer "Schlammschlacht" welches Robert angesprochen hat, finde ich ganz passend.

Wir sollten uns noch viele Aktivitäten einfallen lassen.

Liebe Grüße
Jürgen Möller-Nehring
jmn@planet.ms

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow So 6. Nov 2016, 15:48

Hallo zusammen,

8,5 Mio per anno ist im Bundeshaushalt ein Klacks und ebenso bei den Umsätzen und Gewinnen der Pharmaindustrie.

Schon mal ausgerechnet was die Hersteller am Faktor VIII verdienen?

Folgende Annahmen: 300 Bluter mit einem Verbrauch von 4.000 Einheiten/Woche ergeben jährlich 62,4 Mio Einheiten. Gehen wir von einen Preis von 1,25 €/Einheit aus, beträgt der Umsatz mal schlappe 78 Mio Euro! So wie ich Pharma einschätze, liegt deren Gewinn mal schnell bei 25% und mehr vom Umsatz. Und das alles ganz klein gerechnet und ohne HIV und HCV Medikamente. Wir sind ein Leckerbissen für die Pharmakonzerne... Diese Umsätze sind so sicher wie eine Bank und sicherlich seit Jahrzehnten die Cash Cow innerhalb der Pharmakonzerne. Kaum noch Ausgaben, aber kräftige, stabile Einnahmen.

Wäre es denn nicht möglich mal den einen oder anderen Pharmakonzern zu boykottieren? Fehlende Umsätze oder gar nur die Drohung macht meist die Anteilseigner der Konzerne sehr nervös.

Wäre ein solcher Boykott denn umsetzbar?

Schönen Sonntag noch an alle,
Ralf

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow So 6. Nov 2016, 18:03

Hallo

der freut sich und wir gucken zu, zb. das hier grad gefunden :

http://www.t-online.de/wirtschaft/id_79 ... ichen.html

Das ist doch alles nicht mehr normal.

Das sind Beträge die könnten die aus der Portokasse zahlen.
Wo bleibt das Menschliche bei der ganzen Sache?

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow Di 8. Nov 2016, 14:53

Liebe Mitstreiter,

wie uns bei unserer Stand-Aktion in Tübingen von MdB Christian Kühn mitgeteilt wurde, gibt es da doch relativ offensichtliche Möglichkeiten, eine Gesetzesänderung herbeizuführen &/oder die Versorgung der Opfer anzupassen. Unsere Aufgabe ist es, solange Druck zu machen & zu akquirieren, bis die Personen geweckt sind, die genau wissen, "wie's geht".

Exemplarisch hierfür unser Mitstreiter Toby, der nunmehr an die 800 Mails an politische Personen schrieb, sich im TV zeigte, ein Interview für die Zeitung & für das Radio gab. Alles ANONYM. Und nun kommen so langsam die Antworten von oben "ich werde mich persönlich dafür einsetzen, dass im Paragraphen 14 der Satz "[...]oder die Mittel für die finanzielle Hilfe erschöpft sind" gestrichen wird.

Sowas wird nicht einfach so gesagt, sondern die mühevolle Arbeit unserer Mitstreiter, immer & immer wieder zu schreiben. Mit einer einzigen Mail ist es hier nicht getan.

Ich möchte noch erwähnen, dass ich den Teilnehmern in Fulda Flyerpakete & die Möglichkeit angeboten habe, Flyer auch per Post an sie/euch zu verschicken. Jeder kann dazu noch die Vorlage aus unserer Homepage nutzen, selbst Flyer in Druck zu geben. Von der in Fulda erstellten E-Mail-Liste erhoffen wir uns regen Austausch bezüglich unserer Aktionen & Planungen. Als ich für Tübingen via Verteiler um Hilfe bat sowie darum, uns ihre/eure Wohnorte mitzuteilen um künftige Stand-Aktionen mit ihnen/euch koordinieren zu können, kam, bis auf die Betroffene, die wir schon kennen - NICHTS! Keine Absage, keine Zusage, kein "viel Glück", keine Flyerbestellung.

Wir bieten, so denke ich, viel an. Der Name "Blutskandal-Kampagne" ist bereits integriert. Aber wie sieht das aus, wenn wir nachher 20 Leute sind? Einer unserer Mitstreiter sagte "ich tue das ja auch für mich!". Ich finde, das sollte jeder von den Betroffenen denken & dementsprechend handeln.

Zumal mir heute Herr Wicht (Pressesprecher) der Deutschen Aidshilfe mitgeteilt hat, dass sie die Kampagne durch verschiedene Aktionen unterstützen. Dieses Angebot sollten wir durch viel Engagement dankend annehmen.

Unsere Stand-Aktionen richten wir nach EUCH aus, ich wünsche mir also, dass ihr uns zumindest mitteilt, wo ihr wohnt, wann ihr Zeit habt, was ihr tun wollt/könnt & ob wir bei euch evtl für eine Nacht unterkommen können.

Bisher geplante Städte sind: Wiesbaden, Göttingen, Hamburg, München, Berlin, Köln. Für jede Stadt braucht die lokale Presse mindestens einen Betroffenen für den lokalen Bezug. Wie Toby schon zeigte, kann man hier JEDEN Kanal auch anonym bedienen.

Bitte, nehmt euch das zu Herzen & kontaktiert uns, wenn wir euch in irgendeiner Art & Weise unterstützen können/sollen.

Ich danke euch & wünsche einen schönen Tag euch allen!

Viele Grüße,
Lynn

lynn.s@gmx.de

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow So 13. Nov 2016, 17:46

Hallo,

hat Herr Gröhe schon auf den Brief der DHG reagiert?
oder wartet er noch 2 Wochen bis der Haushaltsausschuss die Forderungen der DHG eh vom Tisch gewischt hat?

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow Mo 14. Nov 2016, 02:46

Hallo,

wenn Du den offiziellen offenen Brief meinst, den die DHG in Fulda auf Nachfrage beschloss, aufzusetzen, so richtet sich dieser nicht an Gröhe sondern an Merkel & Gabriel. Bisherige Antworten von Herrn Gröhe sind auf www.michaeldiederich.de einzusehen.

Viele Grüße,
Lynn