Humanitäre Hilfe - Seite 27

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow Di 11. Okt 2016, 17:45

Liebe Mitstreiter!
Ich habe heute folgenden Brief als Antwort meiner Anschreiben an die örtlichen Bundestagsabgeordneten bekommen. Ich werde mit Frau Hiller-Ohm auch noch einen persönlichen Termin wahrnehmen.


Gabriele Hiller-Ohm
Mitglied des Deutschen Bundestages

Finanzierung der Stiftung Humanitäre Hilfe

Sehr geehrter Herr Möller-Nehring,

vielen Dank für Ihre Nachricht und entschuldigen Sie bitte die verspätete Antwort.

Ihr Anliegen beschäftigt mich seit einigen Wochen. Ich hatte gehofft, dass die Verhandlungen für den Bundeshaushalt 2017 im September eine Lösung für das Problem ergeben würden. Nun musste ich aber feststellen, dass wir vermutlich erst in der zweiten Haushaltswoche zwischen dem 21. und 25. November Bescheid Wissen, ob die Finanzierung für die Stiftung Humanitäre Hilfe und damit die Entschädigungszahlungen langfristig gesichert sind.

Nach Schätzung der Bundesregierung reichen die Mittel der Stiftung noch bis März 2018. Für das Jahr 2017 wurde eine Übergangslösung gefunden, die die Finanzierung sichert. Unser Ziel als SPD-Bundestagsfraktion ist es, die Leistungen aufrechtzuerhalten und zusätzlich eine Anpassung an die Inflation zu erreichen. Meine Kollegin Bärbel Bas, die Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung Humanitäre Hilfe ist, setzt sich im Gesundheitsausschuss des Bundestags aktiv für diese Forderungen ein. Sie hat mir mitgeteilt, dass bei allen bisherigen Geldgebern (Bund, Länder, pharmazeutische Unternehmen und das Deutsche Rote Kreuz) die Bereitschaft besteht, sich an der Weiterfinanzierung der Stiftung zu beteiligen.

Sehr geehrter Herr Möller-Nehring, Ihre Nachricht und meine Nachfrage bei der zuständigen Kollegin helfen dabei, dass dieses wichtige Thema weiterhin auf der politischen Agenda bleibt. Gerade während der Haushaltsverhandlungen sind solche Hinweise besonders wertvoll.

Sollten Sie noch immer ein persönliches Gespräch mit mir wünschen, bitte ich Sie, mein Bundestagsbüro unter den links angegebenen Kontaktdaten zu kontaktieren.

Mit Dank und freundlichem Gruß
Ihre Gabriele Hiller-Ohm



Im Anschreiben habe ich die Briefvorlage der DHG noch persönlich abgewandelt verwendet.

LG
Jürgen
jmn@planet.ms

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow Di 11. Okt 2016, 17:50

Gast hat geschrieben:Hallo
Ich kann leider kaum Englisch. Kann mir jemand bitte eine kurze Zusammenfassung geben. Das wäre super.
Danke



Ist bitte jemand so freundlich und antwortet darauf

nicht schön wenn sowas ignoriert wird

vielen Dank

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow Mi 12. Okt 2016, 15:18

Schönen guten Tag -Anonym'!

Ich wollte mich an's Übersetzen machen aber dafür musst Du sagen, WAS Du übersetzt haben möchtest. Wenn man auf die Homepage der Kampagne geht (dort gibt es auch eine Petition für Opfer, die durch Blut & Blutprodukte infiziert wurden), gibt es da viel Text.

Noch zu unserer Aktion in Tübingen: Wir brauchen mindestens zwei Helfer!

Jürgen & Doris, vielen Dank, dass ihr euch bereit erklärt habt & schade, dass es aus zeitlichen Gründen nicht klappt. Ich hoffe weiter auf die Bereitschaft anderer Foren-Mitglieder, die gerne etwas verändert sehen möchten & auch bereit sind, etwas dafür zu tun. Ihr müsst euch nicht "outen" für diese Aktion. So viel möchte ich euch schon vorwegnehmen. Viele sind bereits tätig geworden, ohne zu sagen, dass sie selbst die Sache betrifft. Es gibt immer Mittel & Wege. Gebt euch einen Ruck!

Vielen Dank & viele Grüße,
Lynn


Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow Do 13. Okt 2016, 00:15

Wirklich unglaublich!

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow Do 13. Okt 2016, 21:17

Liebe MitstreiterInnen,

heute Nachmittag (13.10.2016) hatte ich einen Gesprächstermin mit unserem Bundestagsdirektabgeordneten. Diesem hatte ich schon Ende März unser Anliegen der dauerhaften Fortführung der Stiftung vorgetragen und ihm einen entsprechenden Brief übergeben. Seine damalige Antwort kam schon Anfang Mai. Sie beschränkte sich auf den Hinweis der laufenden Verhandlungen und das Vertrauen in Jens Spahn.

Jetzt im Oktober war er erstaunt, dass die Sache immer noch nicht geregelt sei. Er wolle nächste Woche in Berlin nachhaken und mir dann Bescheid geben. Ich könnte mich jederzeit bei Bedarf an ihn wenden. Bis zu meinem Erscheinen bei ihm im März hatte er von der Stiftung nichts gehört.

Während ich im März vorgab im Namen der DHG für die Stiftung zu werben, bekannte ich mich heute offen dazu ein Betroffener zu sein. Sobald ich eine Antwort bekomme, werde ich darüber berichten.

Liebe Grüße
joe

nachfolgend der von mir heute übergebene Brief:

In der Zwischenzeit gibt es seit dem 16.8.2016 eine Sprachregelung des Bundesgesundheitsministeriums über die Weiterfinanzierung der Stiftung, ohne dass dafür eine Garantie ausgesprochen wird. Darin wird für die nächsten zehn Jahren auch mit Finanzmitteln von pharmazeutischen Firmen gerechnet. Aber in einer Antwort der Bundesregierung (Drucksache 18/9612 vom 27.9.2016) wird darauf verwiesen, dass den pharmazeutischen Unternehmen zuletzt 2010 zugesichert wurde, dass von ihnen kein Engagement über die damaligen Leistungen hinaus mehr erwartet wird. Schon eine solche Zusicherung verschlägt den Opfern die Sprache vor Unverständnis, da durch Fehlverhalten der pharmazeutischen Unternehmen bisher schon Hunderte von Blutern ihr Leben verloren haben.

Das HIV-Hilfegesetz wurde im Bewusstsein um Fehler von staatlicher Seite verabschiedet, um den Opfern schnelle Hilfe zukommen zu lassen. Im Namen der Bundesregierung bat der damalige Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer die Betroffenen um Verzeihung für die Fehleinschätzungen der Bundesbehörden. Mit der finanziellen Sicherung der Stiftung in 2004 und 2010 wurde man der Verantwortung für die Opfer bis 2017 gerecht. Der abnehmende Anteil der pharmazeutischen Unternehmen wurde jeweils durch den Bund kompensiert.

In 2014 wurde auf Initiative des BGM und des Gesundheitsausschuss eine Studie über die Lebenssituation der Leistungsempfänger der Stiftung veröffentlicht. Diese Prognos-Studie betont die existentielle Bedeutung für die Betroffenen und empfiehlt eine Erhöhung wegen des seit 1995 ausgebliebenen Inflationsausgleichs. Als Reaktion darauf hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe die Stiftung als unverzichtbar bezeichnet. Stiftungsrat und Stiftungsvorstand, wo alle Geldgeber der Stiftung vertreten sind, gingen davon aus, dass wie bei der Conterganstiftung alle Verantwortlichen schnell und umfassend aktiv werden, damit die finanziellen Grundlagen der Stiftung nachhaltig gesichert werden. Trotzdem fehlt seit über zwei Jahren bis heute die konkrete Umsetzung. Dies führt bei den Betroffenen zu wachsenden Sorgen und widerspricht dem Geist der Stiftung Humanitäre Hilfe.

Der wegen des Blut(er)-Skandals 1993 entlassene Präsident des Bundesgesundheitsamtes Dieter Großklaus genießt seitdem eine Rente mit regelmäßigen Anpassungen. Zum 80. Geburtstag in 2010 'würdigte' ihn das Ärzteblatt, ohne dieses tiefschwarze Kapitel seines Wirkens zu erwähnen. Dabei kam es durch Fehleinschätzungen seines BGA zu einer Vielzahl von Toten.

Obwohl keiner der Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen wurde, wird den Opfern die Garantie der lebenslangen finanziellen Absicherung bisher verweigert. Die Bitte der Bundesregierung um Verzeihung bei den Betroffenen unterstreicht doch deren Fürsorgepflicht gegenüber diesen Menschen.

Wie der parlamentarische Untersuchungsausschuss "HIV-Infektionen durch Blut und Blutprodukte" feststellte, wären 60% der Infektionen vermeidbar gewesen. Die Verursacher nahmen sehenden Auges die weitere Infizierungen in Kauf und stürzten eine Vielzahl weiterer Menschen in eine Katastrophe. Auf die Anzahl kam es scheinbar nicht an. Hunderte von Menschen sind schon unnötig viel zu früh leidvoll gestorben. Jetzt will man den noch lebenden Opfern nicht einmal zügig die Weiterexistenz der Stiftung garantieren, ohne genau zu wissen, was es kostet und wer es bezahlt. Permanent wird lediglich von Absichten gesprochen.

Im Namen von Betroffenen, auch aus der DHG, bitte ich Sie erneut um Ihre Unterstützung für die Opfer des Blutskandals, da die gesundheitlichen Belastungen schon groß genug sind. Ist es nicht an der Zeit, den Betroffenen wenigstens die Angst um ihre finanzielle Zukunft dauerhaft zu nehmen, indem man Ihnen bald die Weiterfinanzierung der Stiftung zusichert, selbst wenn die Finanzierung noch nicht in allen Details festgeschrieben ist?

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow Fr 14. Okt 2016, 13:20

Vielen Dank für den Brief, Joe, & dass ich ihn auf unsere Homepage setzen darf.

Dass damals (wie sicherlich heute auch) Schindluder getrieben wurde mit den Kosten durch die Präparate, ist ja schon lange bekannt. Allein durch das, was damals, auch inoffiziell, damit verdient wurde, könnte man die Stiftung mindestens zwanzigmal auffüllen & wir hätten immer noch Überschuss. Es reicht aber auch die Tatsache, dass pharmazeutische Unternehmen andere Unternehmen für das 120-Fache von dem erwerben, was für die Sicherung der Stiftung für die nächsten 40 Jahre gebraucht würde & da rechne ich schon mit einer Zahlung an jeden in Höhe von 2000€.

Nur weiter, je mehr solcher harten Tatsachen, desto besser für die heutige Medienaufmachung. Ich werde den Artikel der "Zeit" auch in unser Archiv einfügen. Vielen Dank für diese Hilfe an den, der es gepostet hat.

Will uns niemand in Tübingen unterstützen?

Viele Grüße,
Lynn

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow Fr 14. Okt 2016, 22:03

Lieber Joe!
Vielen Dank für deinen Einsatz!

LG
Jürgen
jmn@planet.ms

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow Sa 15. Okt 2016, 12:48

Liebe Mitstreiter!
Ein weiterer interessanter Link:
Die Sendung wurde in der Reihe "Geschichte im Ersten" wohl im April 2016 in der ARD gesendet.

https://www.youtube.com/watch?v=JpcJsyAgGhw

Ab min 22:00 geht es um den Bluterskandal!

Am Samstag den 22.10.16 gibt es hier in Lübeck einen Fachtag der Lübecker Aidshilfe:

http://www.aids-in-schleswig-holstein.d ... mm_www.pdf

Das Thema ist "leben mit HIV - Diskriminierung beginnt im Kopf". Ich darf dort einen kurzen Vortrag zur Situation der Bluter und der Stiftung halten. Die Veranstaltung ist ganztägig und ich werde mit Doris einen Stand machen um Unterschriften für die Petition zu sammeln.

Liebe Grüße
Jürgen
jmn@planet.ms

Re: Humanitäre Hilfe

Beitragvon Gast arrow So 16. Okt 2016, 19:37

Liebe MitstreiterInnen,

nach entsprechenden Nachfragen weise ich ausdrücklich auf die freie Verwendbarkeit meines Briefes hin. Wer immer möchte, kann das Schreiben an meinen Bundestagsabgeordneten als Inspiration oder direkte Vorlage für seinen Schriftverkehr mit den Bundestagsabgeordneten vor Ort oder bei sonstigen Aktivitäten verwenden.

Liebe Grüße
joe