Krankenversicherungswechsel bei Blutgerinnungsstörungen

Krankenversicherungswechsel bei Blutgerinnungsstörungen

Beitragvon Anonymous arrow Fr 31. Mai 2013, 17:05

Daniela:
Guten Tag, seit einigen MOnaten weiß ich, dass meine Töchter (9 und
13) von mir den Faktor-7-Mangel geerbt haben. Bei mir kommt noch das
von Willebrand-Syndrom dazu. Festgestellt wurde dies im Zuge der
Anamnese meiner jüngeren Tochter vor der Tonsillektomie. Was folgte
war eine monatelange Odyssee mit unsere Krankenkasse (DAK), die uns
die OP im gewünschten KInderkrankenhaus verwehren wollte, da sie in
diesem Fall nur Behandlungen in einer anderen KLinik (MHH Hannover)
bezahlt. Nun möchten wir die Kasse wechseln, da wir freie Arztwahl
wollen und nicht immer gleich in die Uniklinik.
Was gibt es da zu beachten bzw. hat jemand konkrete Tipps für mich, wie
ich vorgehen könnte?

ZUdem habe ich schnell noch vor der Diagnose für meine ältere Tochter eine
private Kranken-Zusatzversicherung abgeschlossen.... ich hoffe, die
werfen sie jetzt nicht heraus? Mitgeteilt habe ich die Diagnose dem
ortsansässigen Versicherungsbüro natürlich pflichgemäß, man meinte
dort, das dürfte kein Problem sein. Bei der jüngeren Tochter wurde
eine PKV abgelehnt, da ihre Diagnose schon feststand.... Hat hier
jemand Erfahrungen? Es geht mir v.a. um die
Krankenhaus-Zusatz-Versicherung.... die Ablehnung wurde mit längeren
Liegezeiten bei Blutgerinnungsstörungen begründet.

Vielen Dank im Voraus

Krankenversicherungswechsel bei Blutgerinnungsstörungen

Beitragvon Anonymous arrow Do 12. Sep 2013, 14:09

S.W.
für die Redaktion:
Liebe Daniela,
eine Blutgerinnungsstörung sollte (muss!) man in diesbezüglichen
Behandlungseinrichtungen behandeln lassen. Andere Häuser haben keine
Erfahrung, Medikamente und Fachpersonal dafür, dort kann manches
Lebensgefährlich werden.

Bitte besprechen Sie das mit ihrem Willebrand-Facharzt!!!

Krankenversicherungswechsel bei Blutgerinnungsstörungen

Beitragvon Anonymous arrow Fr 8. Nov 2013, 18:11

Hallo
Daniela,
ich bin Konduktorin der Hämiphilie A und mein Sohn hat schwergradige
Hämophilie A, die nächste Uniklinik von uns ist ca. 120 km entfernt.
Ich kann absolut nachvollziehen, dass man aus unterschiedlichen
Gründen ein "kleineres", dezentrales Krankenhaus besonders
für die geplanten Eingriffe aufsuchen möchte.
Ich bin selbst bin Ärztin (Gynäkologin) und habe in unterschiedlichen
Spitälern gearbeitet. Fakt ist: Kliniken, an denen keine
Fachabteilung für Hämatologie / Hämostaseologie vorhanden ist, sind
super für Normalpatienten und unberechenbar für Spezialfälle.
Meine Erfahrungen mit dem Wissen der Kollegen, die sich nicht
hauptsächlich mit der Gerinnung beschäftigen (HNO-ler/ Urologen/
Chirurgen, ja selbst Internisten), reicht von schlecht, bis
katastrophal. Die meisten haben die Namen der Erkrankungen letzmalig
in ihrem Studium gehört und können, je nachdem wie lang dieses her
ist, mehr oder weniger viel damit anfangen. Es gibt zwar
Ausnahmeärzte, aber man muss Glück oder Beziehungen haben,um auf den
Richtigen zu treffen.
Dazu kommt, dass spezielle Laboruntersuchungen, die zur Kontrolle der
aktuellen Gerinnungssituation des Patienten notwendig wären nicht in
allen Krankenhäusern durchführbar sind.
Eine Tonsillektomie hat grundsätzlich (bei allen Gesunden) bereits ein
relativ hohes Nachblutungsrisiko, bei Patienten mit Gerinnungsstörung
ist es fahrlässig diesen Eingriff im "Alleinflug" ohne
Begleitung eines Hämostaseologen (Facharzt für "Gerinnung")
durchführen zu lassen. Sicher kann es gut gehen, aber ebenso auch
nicht.

Falls die Operation bereits vorbei ist, wäre es sehr spannend zu wissen
für welches Haus du dich entschieden hast.

Ich wünsche deinen Töchtern und dir alles Gute

E.G.

Krankenversicherungswechsel bei Blutgerinnungsstörungen

Beitragvon Anonymous arrow Mo 5. Jan 2015, 14:01

Hallo
und ein gutes und vor allem gesundes neues Jahr gewünscht!

Einige Zeit ist vergangen seit meinem letzten Beitrag - vielen Dank erst
einmal noch für die Antworten. Heute möchte ich berichten, wie es
weitergegangen ist:
Im Februar 2013 wurden meiner damals 9jährigen jüngeren Tochter in der
Kinderklinik die Mandeln entfernt. Dafür haben wir von der DAK eine
absolute Ausnahmegenehmigung erhalten. Die OP verlief ohne Probleme,
Faktor 7 wurde für den Notfall vorrätig gehalten. Die Liegezeit
betrug 5 Tage (was ich als sehr kurz empfand). Am 8. Tag hatte die
Kleine eine ganz leichte Ablösungsblutung und wurde zur Sicherheit
noch einmal drei Tage aufgenommen - alles war gut.

Im September 2014 dann war es bei meiner älteren Tochter (14) soweit -
eine Tonsillektomie war unausweichlich. Diesmal MUSSTEN wir in die
Uniklinik (MHH) - das Prozedere war ungleich komplizierter. Die
veranschlagte Liegedauer war von vornherein 14 Tage, letztendlich lag
sie 17 Tage und durfte die Station nicht verlassen. Es wurde 12 Tage
lang mehrmals täglich Cyklocapron verabreicht (von dem sie dauernd
erbrechen musste) sowie Faktor 7 gespritzt, obwohl keinerlei
Blutungsanzeichen da waren. Einen Vorteil für den Heilungsprozess
konnte ich nicht feststellen.

Obwohl beide Kinder einen ähnlichen Faktor-7-Spiegel und grenzwertige
Willebrand Faktoren aufweisen, wurden sie sehr unterschiedlich
behandelt. Zumindest in diesem Fall kann ich an der
"Übervorsicht" der Uniklinik keinen Vorteil erkennen. Eine
Zusammenarbeit mit einem Gerinnungsspezialisten hat ja auch im ersten
Fall stattgefunden, jedoch war dies ein externes Gerinnungszentrum in
Hannover (also auch vor Ort).

Ich kann es mir nach wie vor nicht "schönreden", wegen
jeglicher auch harmloser Sache eine Uniklinik aufsuchen zu müssen.

Einen Krankenkassenwechsel beabsichtige ich in den nächsten Monaten.
Heute kommt eine Beraterin einer anderen GKV zu mir und wir werden
darüber detailliert sprechen. Diese Kasse schreibt zwar nicht
unbedingt zwingend die Uniklinik vor, teilte mir aber mit, dass nicht
alle Krankenhäuser überhaupt die Berechtigung hätten,
Gerinnungspatienten zu behandeln. Diesbezüglich werde ich beim
Werlhof-Institut Hannover nachfragen, da dieses Institut ja
unabhängig von bestimmten Krankenhäusern zur Verfügung steht.

Grundsätzlich brauche ich dringend noch Beratung, inwiefern eine
private Krankenversicherung möglich ist und zu welchen Konditionen.
Wie sind da Erfahrungswerte?
Eine Krankenhauszusatzversicherung bekommen wir NIRGENDS.
Jedoch beabsichtige ich, im Sommer eine Beamtenstelle anzutreten (insofern
mich das Land Niedersachsen mit meinen Blutgerinnungsstörungen
überhaupt verbeamtet) - und dann stellt sich die Frage nach der
Krankenversicherung nochmal neu.

Momentan wird mir immer klarer, welche Einschränkungen bzw. welches Hindernis
diese Diagnose in meinem/unseren Leben doch eigentlich bedeutet -
obwohl wir bisher noch nie gesundheitliche Auswirkungen verspürt
haben, kann es laufbahnentscheidend sein bzw. zu großen finanziellen
Nachteilen führen (KV)

Herzliche Grüße, Daniela

Krankenversicherungswechsel bei Blutgerinnungsstörungen

Beitragvon drebing arrow Mi 14. Jan 2015, 13:01

Hallo
Daniela,

eine Verbeamtung beim Land Niedersachsen dürfte kein Problem sein. Ich
bin als schwerer Hämophiler seit Jahren Beamter auf Lebenszeit
(allerdings im Land Rheinland-Pfalz).

Allerdings befürchte ich, Ihnen hinsichtlich der privaten Krankenversicherung
keine Hoffnung machen zu können.

Entweder sind alle Vorkommnisse, die mit Blut zu tun haben, von vornherein
ausgeschlossen oder Sie bekommen von der Versicherungsgesellschaft
(wie in meinem Fall) überhaupt keinen Vertrag angeboten.

Somit besteht nur noch die Möglichkeit, in der freiwilligen gesetzlichen
Krankenversicherung unterzukommen. Dies ist auch bei mit der Fall.

Falls Sie noch Fragen haben, bin ich unter 0151 20754935 telefonisch
zu erreichen.

Viele Grüße,
Björn

Krankenversicherungswechsel bei Blutgerinnungsstörungen

Beitragvon steffen arrow Mi 14. Jan 2015, 13:01

Hallo,

hier ist eine Antwort von der Regionalvertreterin Gudrun Rudolph aus
Mecklenburg-Vorpommern:

Eine Gerinnungsstörung und private Krankenversicherung schließen sich
aus. Es sei denn, man verzichtet auf die Behandlung alle
Krankheitsfälle, die mit Blut im Zusammenhang stehen.
Ein Krankenkassenwechsel von einer grossen Ersatzkasse in eine kleine
Primärkasse ist auch nicht zu empfehlen, da diese ganz schnell
finanzielle Probleme bekommt.
Besser ist es, in eine der grossen Ersatzkassen zu wechseln. Die können
grössere Behandlungskosten eher kompensieren. Aber Achtung beim
Wechsel: Man muss auf die Frage nach chronischen Erkrankungen
nicht antworten. Jede gesetzliche Krankenkasse muss einem Wechsel
zustimmen.
Beste Grüße Gudrun Rudolph
Schöne Grüße
Steffen Hartwig
DHG e.V. Vorstandsmitglied

Krankenversicherungswechsel bei Blutgerinnungsstörungen

Beitragvon Anonymous arrow Mi 25. Feb 2015, 22:02

Leider lese ich
erst heute den Chat. Vielleicht kann aber noch jemand von der Info
profitieren.

Es ist durchaus möglich, im Rahmen der Öffnungsaktionen der privaten
Krankenversicherung beizutreten. Allerdings gilt es hier ein relativ
enges Zeitfenster einzuhalten. Direkt nach dem Wechsel vom
Angestellten- in ein Beamtenverhältnis (innerhalb 6 Monaten nach der
erstmaligen Verbeamtung). Das betrifft auch Angehörige (innerhalb von
sechs Monaten ab ihrer erstmaligen Berücksichtigungsfähigkeit
bei der Beihilfe)

Wir haben nach dem Wegfall der Voraussetzungen für die gesetzliche
Familienversicherung für unseren hämophilen Sohn die Aufnahme in die
private Versicherung durchsetzen können. Die private Krankenkasse
zeigte sich uninformiert, aber ihre eigenen Publikationen weisen auf
eine Aufnahme ohne Risikoprüfung hin.

Infos hierzu:
http://www.pkv.de/service/broschueren/v ... gehoerige/